Bekannte Persoenlichkeiten aus unserer Heimat:
Christoph Hartknoch (1644-1687)
Jede Stadt, jedes Dorf oder sogar kleine Siedlung, wo jemand Bekannter, z. B. beruehmter Gelehrte auf die Welt kam, macht sich daraus eine Ehre. In einem kleinen masurischen Dorf Jablonken / Jabłonka in dem Ortelsburger Kreis kam 1644 in einer kinderreichen Familie des Pastoren und Dorflehrers Hartknoch ein Junge zur Welt, dessen Name in Deutschland und Polen bekannt geworden ist.
Der Junge bekam den Namen Christoph
und verbrachte seine Kinderjahre unter Dorfkindern, wo ebenso deutsch wie
polnisch (masurisch) gesprochen wurde. Die Gottesdienste in der Kirche wurden
auch in beiden Sprachen abgehalten. Dank dessen wird der deutschstaemmige
Christoph Hartknoch mal einer der groessten Forscher und Sachkundiger der
Geschichte und Entwicklung des mittelalterlichen Preussens und Polen sein.
Die ganze Familie zog um 1650 nach Passenheim / Pasym um. Hier
besuchte 12jaehrige Christoph eine Pfarrschule. In der winterlichen Nacht vom
19. Dezember 1656 stiess er zum ersten mal auf die Entsetzlichkeit und
Grausamkeit des Krieges. Aus den Schulfenstern sah er, wie die Tataren die Stadt
verbrennen und ihre Einwohner morden. Vor dem Tod rettete den Jungen sein Lehrer
– Michał Balatowski (Ballatovius), der ihn auf
einem Seil durchs Fenster ausserhalb der Wehrmauer herabsetzte. Im Schein der
brennenden Stadt, auf dem duennen, unter den Fuessen knirschenden Eis, gefolgt
von dem Geschrei der gemordeten Stadtbewohner, gelang der Junge zu dem anderen
Ufer und verbarg sich im Wald. Morgen, als die Eroberer die verwuestete Stadt
verliessen, kehrte er zurueck. Sein Haus verbrannte leider, die Eltern
versteckten sich aber zum Glueck in der Wehrkirche und auf diese Weise kamen sie
mit dem Leben davon.
Der junge Hartknoch verliess bald Passenheim. Mit einem Brief an
einen weiten Cousin begab er sich nach Koenigsberg / Królewiec um weiter zu
lernen. Dank der hervorragenden Begabung wurde er ohne Schwierigkeiten zum
Theologiestudium in der evangelischen Lehrstaette aufgenommen.
Die ersten Studienjahre waren fuer den jungen Hartknoch schwierig,
voll Hunger und Not. Auf sich selbst angewiesen, da seine Eltern starben, griff
er zu verschiedensten Arbeiten um die Mittel fuer Wohnung, Unterhaltung und
Studiengeld zu bekommen. Schliesslich brach er das Studium ab und wurde
Hauslehrer in Kaunis / Kowno, und 1666 — Rektor der evangelischen Schule in
Vilnius / Wilno. 1667 kehrte er nach Koenigsberg zurueck und setzte das
abgebrochene Studium fort. Als Erzieher zweier Soehne einer reichen Familie
verdiente er gleichzeitig Geld fuer das weitere Studium.
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Kupfer aus Ch. Hartknoch, Alt- und
Neuess Preussen. Frankfurt/Leipzig 1684. |
1672 bekam Hartknoch das Diplom des Philosophiemagisters und
kurz danach hielt er schon Vortraege in derselben Lehrstaette. Er begann sich
besonders fuer Geschichte zu interessieren, als er in dem Schularchiv die
verkannte Dusburg-Chronik aus der Zeit des Deutschen Ritterordens
entdeckte. Hartknoch nutzte das Wissen aus dieser Chronik und gab 1679 das Buch
(in Latein mit beigelegten 19 Handschriften) ueber Geschichte, Braeuche und
Sprache der ehemaligen Prussen sowie Laenderoberung und Regierung des Deutschen
Ordens in Preussen heraus. Zwei der groessten Werke des Gelehrtenerschienen auf
deutsch: Alt- und Neues Preussen und Preussische Kirchen-Historia.
Es sind Monografien ueber Preussen von der heidnischen Zeit bis zu seiner
Gegenwart.
Hartknoch entstammte einer deutschen Familie interessierte sich
aber fuer die Angelegenheiten Polens und Litauen. Frucht dieser Interesse wurde
die Herausgabe des Werkes Republik Polen in zwei Buechern kundgegeben.
Der Verfasser beschrieb in diesem Werk die Geschichte und Entwicklung der
Gesellschaftsordnung sowie der politischen und rechtlichen Einrichtungen in dem
Koenigreich Polen. Das war das erste Werk von diesem Ausmass in der
lateinisch-polnischen Literatur, das die Entwicklung des Landes im Verlauf von
300 Jahren analysierte.
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Kupferstich aus Christoph Hartknoch,
Alt- und Neuess Preussen. Frankfurt/Leipzig 1684. |
1677 wurde der Gelehrte als Direktor des Thorner Gymnasium berufen, wo er
auch Vorlesungen hielt. Seine Leidenschaft fuer Verfolgung der Geschichte
erweiterte sich ausser Preussen und Polen auf
Pommern, Samogitien /Żmudź und Kurland. Hartknoch schrieb und gab
wissenschaftliche Abhandlungen und Buecher in Latein ueber Geschichte dieser
Laender heraus.
Der reiche wissenschaftliche Ertrag von Christoph Hartknoch
ist ein grosser Beitrag zur Erkenntnis der Geschichte und Entwicklung dieses
Teils Europa.
Der Gelehrte erlebte das Greisenalter nicht. Die Jahre der Armut
und des Verzichtes haben sich unguenstig auf seine Gesundheit ausgewirkt. Er
starb im Alter von 43 Jahren in Thorn und dort wurde er auch begraben.
Z. A. Janczewski